Gläser voller Erinnerung
Ein Jahr lang habe ich Marmelade gekocht – aus allem, was unser Garten hergegeben hat.
Es waren die Lieblingsrezepte meiner Mutter. Als sie durch ihre Demenz nicht mehr selbst einkochen konnte, habe ich diese Aufgabe übernommen, jedes Glas mit Sorgfalt gefüllt und alle Rezepte aufgeschrieben.
"Gläser voller Erinnerung" ist ein Marmeladenprojekt über Gartenfrüchte, Jahreszeiten und das Bewahren von Geschmack, wenn Erinnerungen leiser werden. Es geht um selbstgemachte Marmelade, um traditionelle Rezepte – und um kleine Rituale, die bleiben.
Meine Mutter und meine Omas haben begeistert Marmelade gekocht so lange ich mich erinnern kann.
Ich rieche noch die Körbe voll mit den duftenden Holunderblüten im Frühjahr, säuerliches Rhababergelee und Hüte aus den riesigen Blättern gab es im Juni, süße Erdbeermarmelade aus den Beeren, die wir Kinder nicht direkt vom Beet genascht hatten im Sommer.
Verblühte Duftrosen habe ich mit Begeisterung für das Rosengelee gesammelt. Winzige Sauerkirschen färbten die Hände meiner Mutter weinrot beim Verarbeiten.
Meine Oma machte sich die Mühe und sammelte die kleinen, schwarzen Holunderbeeren für eine zähe Marmelade (man kann sie nur gekocht essen, denn sie sind ungekocht schwach giftig).
Sonst hat immer meine Mutter die leckeren Gartenmarmeladen gekocht und ich habe sie zugeschickt bekommen und durfte sie mir mitnehmen.
Ich habe mir als Geburtstagsgeschenk für meine Mutter ein Marmeladengutschein mit Gartenmarmeladen durch das Jahr ausgedacht.
Das ist mein Marmeladenprojekt!
Was ist Eure Lieblingsmarmelade, oder wer hat noch eine tolle Rezeptidee?