Zauberhaftes Schneeglöckchen

02.01.2021


Wenn winterlich-kalte Stürme uns in der warmen Wohnung bleiben lassen, wenn  der Schnee eine weiße Decke über die Natur legt und eisige Kälte Gewässer und den Boden gefrieren lässt, erhebt sich wie ein kleines Wunder am Waldesrand und im Garten als erstes Zeichen des nahenden Frühlings das Schneeglöckchen.

Wie spielende kleine Elfchen, mit weißen Festtagskleidern schweben sie bei uns im Garten über dem Rasen und tanzen im Wind.


Schneegklöckchenfreunde nennen sich Galantophile

Kein Wunder, dass das Schneeglöckchen (Galantus, aus dem griechischen, übersetzt ungefähr "Milchblüte")  so viele Anhänger hat. Inzwischen gibt es auch unendlich viele verschiedene Sorten: Blüten mit gelben Köpfchen, Arten mit grünen Sprenkeln auf den weißen langen Blättern. Schneeglöckchen, die im Herbst blühen und späte Sorten, die im April noch mit ihren Blüten erfreuen.

Schneeglöckchenliebhaber tauschen ihre Schätze oder verkaufen rare Sorten teilweise für viel Geld. Echte Schneeglöckchenexperten pflanzen ihre besonderen Zwiebeln in Körbchen und schneiden die Blüten beim Verblühen ab um die Sorten rein zu halten.

In unserem Naturgarten kümmern sich die Ameisen um die Vermehrung und Verbreitung der Schneeglöckchen. Ab und zu werde ich schwach und eine neue Sorte begeistert mich und landet in meinem Einkaufswagen (Dieses Jahr steht eins mit gelben Köpfchen auf meiner Wunschliste!).


Die Herkunft des Winterblühers

Das Schneeglöckchen stammt ursprünglich aus dem Kaukasus, aus Vorderasien und aus Mittel- und Südeuropa. Bei uns fand es sich wohl erst ab dem 16. Jahrhundert in Klostergärten und dann auch in den Hausgärten. (Erste Erwähnung in Deutschland wohl im Jahr 1588 von Joachim Camerarius (Nürnberg)

Angeblich mit dem Krimkrieg (1853-1856) brachten englische Soldaten Zwiebeln des Winterblühers Galanthus plicathus nach England, wo begeisterte Züchter durch Kreuzung mit dem heimischen und dem türkischen Schneeglöckchen erstaunliche neue Sorten schufen.


Können Schneeglöckchen Wärme produzieren um den Schnee zu schmelzen?

Ein kleines Wunder ist das Schneeglöckchen schon. Bis heute rätseln Forscher, ob das Schneeglöckchen Biowärme produziert um den Schnee schmelzen zu lassen (Es gibt Pflanzen die beachtliche Wärme entstehen lassen können, beim Schneeglöckchen konnte man dieses Phänomen bisher aber nicht sichern).

Auf jedenfall ist bei dem gewöhnlichen Schneeglöckchen aber die ganze Pflanze (auch die Blüten) vollkommen Frosthart.


Das Schneeglöckchen in Sagen und Volksglauben

Früher wurden den Kühen im Frühling gelegentlich Schneeglöckchenzwiebeln gefüttert, da einem Volksglauben nach, das verhindert, dass die Milch schlecht wird.

Auch diese kleine Sage über das Schneeglöckchen habe ich schon als Kind gemocht: 

Als der Schnee erschaffen wurde hatte er keinerlei Farbe. Deshalb ging der Schnee zu allen Blumen und fragte sie, ob er von ihnen etwas Farbe bekommen könne. Aber die eitlen Blumen wollten alle ihre prächtigen Farben für sich behalten. Nur das Schneeglöckchen hatte Mitleid und gab dem Schnee seinen Mantel. Seitdem glitzert der Schnee in herrlichem, reinem Weiß. Das Schneeglöckchen aber ist die einzige Blume, die sich vor dem Schnee nicht fürchten muss.


Schneeglöckchen, eine Heilpflanze gegen das Vergessen

Aber das Schneeglöckchen, obwohl schwach giftig, ist wirklich auch eine Heilpflanze: Vielleicht kannte man sogar schon in der Antike bei den alten Griechen die Heilwirkung des giftigen Schneeglöckchens.

Galanthamin heißt der Wirkstoff in den kleinen, weißen Winterblühern, der die Symptome einer Demenz vom Alzheimer Typ mildern kann. Russische Forscher entdeckten den Wirkstoff. Heutzutage wird er rein synthetisch hergestellt und seit inzwischen fast 20 Jahren bei der im hohen Alter häufigen Alzheimer Demenz eingesetzt.


Kommt das Schneeglöckchen schon in der altgriechischen Saga Odyssee vor?

Aber zurück zu den Griechen. Mein Sohn hat vor drei Jahren in der Schule eine kindgerecht nacherzählte Version der Odyssee von Homer gelesen. In dieser Geschichte strandet Odysseus auf der Insel der Zauberin Kirke. Ein Teil der Mannschaft erkundet die Insel und wird von der listigen Kirke zum Essen eingeladen. Kirke aber mischt ein pflanzliches Zaubermittel (böse Kräuter) unter das Essen, das bei Odysseus Mannen zu Vergessen führt (und sie außerdem in Schweine verwandelt). Nur ein Seemann, der einen Hinterhalt befürchtet hat, entrinnt diesem Schicksal und kann Odysseus über das Unglück der Anderen berichten. Was kann man tun um die Gefährten zu retten? Zum Glück bekommt Odysseus Unterstützung: Der Götterbote Hermes versorgt ihn mit einem wirksamen Gegenmittel: Er gibt ihm die Götterpflanze "Moly" und rät Odysseus Kirke mit dem Schwert zu bedrohen, sobald diese ihren Zauberstab schwingt. Der Plan geht auf: Kirke lädt auch Odysseus zum Essen ein, da er aber durch die Zauberpflanze Moly geschützt ist vergisst er seinen Plan nicht. Als er Kirke sein Schwert an den Hals presst schwört Kirke in Todesangst Odysseus und seinen Gefolgsleuten nichts zu tun. Der Zaubertrank rettet auch die restliche Mannschaft vor dem Vergessen und aus den Schweinen werden wieder Seefahrer. Odysseus aber ruht sich danach ein Jahr auf Kirkes Insel aus. (Und selbst in der sehr kindgerechten Erzählung ist zu erahnen, dass seine Beziehung zu der schönen Zauberin nicht rein platonisch war.)

Im Orginaltext beschreibt der Dichter Homer wohl botanisch exakt die rettende Zauberpflanze: «Also sprach Hermeias und gab mir die heilsame Pflanze, die er dem Boden entriss, und zeigte mir ihre Natur an: Ihre Wurzel war schwarz und milchweiss blühte die Blume; Moly wird sie genannt von den Göttern.» («Odyssee» X, 302-304).

Vielleicht entspricht die Zauberpflanze Moly aber doch eher dem Schwarzlauch. Denn so richtig schwarz ist die Schneeglöckchenzwiebel ja nicht. (Und Alliumarten, wie auch der Knoblauch, helfen ja bekanntlich nicht nur gegen Arterienverkalkung, sondern im Volksglauben auch gegen Verzauberung und nicht zuletzt wie meine Kinder mir an Halloween erklärt haben auf jeden Fall gegen Vampire...)


Bezaubernder Frühlingsbote

Wie auch immer: Das Schneeglöckchen bleibt ein bezaubernder Bote des nahenden Frühlings. Und an trüben Wintertagen, wie heute, lockt mich die Hoffnung das zarte, anmutige Elfchen im Garten tanzen zu sehen hoch von meiner Couch und raus in den Garten. So, ich geh dann mal schauen, ob schon was zu sehen ist!


Ich freue mich sehr über Eure Kommentare und Rückmeldungen, Anregungen neue Ideen


Selbstverständlich passe ich auf Deine Daten genau so sorgfältig wie auf meine Pflänzchen auf. 

Ich gebe sie auch nicht weiter, versprochen!

Soll ich Dir eine kurze Email  schicken, wenn es Neues  für Blütenliebhaber gibt?

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