Schneeglöckchen pflanzen und pflegen: Sorten, Tipps & Leidenschaft
Schneeglöckchen – kleine Wunder im Winter
Schneeglöckchen sind in jedem neuen Jahr die ersten Frühlingsboten im Garten – hier erfährst du, wie man Schneeglöckchen richtig pflanzt und pflegt, welche Standorte sie lieben und warum sie so faszinieren.
Du erfährst,
was Schneeglöckchen eigentlich sind und warum sie so früh im Jahr blühen
wie man Schneeglöckchen pflanzt, pflegt, vermehrt und teilt
welche Standorte sie lieben und warum sie im Rasen ebenso gut wachsen wie unter Bäumen
welche Schneeglöckchen-Sorten sich für den Garten eignen – von robust bis außergewöhnlich
worauf man beim Kauf von Schneeglöckchenzwiebeln achten sollte
warum Schneeglöckchen für Insekten wichtig sind und mit Bedacht gesammelt werden sollten
ob Schneeglöckchen giftig sind und welche Rolle sie als Heilpflanze spielen
welche historischen, mythologischen und medizinischen Geschichten sich um sie ranken
und warum aus einer kleinen Blüte schnell eine große Leidenschaft werden kann.
Dieser Artikel verbindet praktisches Gartenwissen, Naturbeobachtung, Geschichte und persönliche Erfahrungen – für alle, die Schneeglöckchen nicht nur pflanzen, sondern wirklich verstehen möchten.
Was sind Schneeglöckchen?
Schneeglöckchen sind früh blühende Zwiebelpflanzen, die oft schon mitten im Winter oder sehr zeitig im Frühjahr erscheinen. Botanisch gehören sie zur Gattung Galanthus nivalis und zählen zu den ersten Pflanzen, die den gefrorenen Boden durchbrechen.
Typisch für Schneeglöckchen sind ihre zarten, weißen Blüten, die meist einzeln an dünnen Stielen hängen. Sie wirken fragil, sind aber erstaunlich widerstandsfähig. Genau diese Mischung aus Zartheit und Robustheit macht ihren besonderen Reiz aus.
Warum blühen Schneeglöckchen so früh im Jahr?
Schneeglöckchen haben sich an kalte Temperaturen angepasst und nutzen das frühe Frühjahr, bevor andere Pflanzen Licht und Nährstoffe beanspruchen. So ist und die Konkurrenz gering.
Können Schneeglöckchen Frost und Schnee wirklich vertragen?
Ja. Schneeglöckchen sind vollständig frosthart. Ihre Zellen enthalten natürliche Frostschutzstoffe, die verhindern, dass sie durch gefrierendes Wasser geschädigt werden. Selbst Blüten überstehen oft starken Frost.
Sind Schneeglöckchen für Insekten wichtig?
Ja. Schneeglöckchen gehören zu den frühesten Nahrungsquellen für Bienen und andere Insekten, wenn es sonst kaum Blüten gibt. Besonders an milden Wintertagen werden sie intensiv besucht.
Für mich sind sie zudem das erste sichtbare Zeichen dafür, dass der Winter langsam zu Ende geht und das neue Gartenjahr beginnt.

🌱 Schneeglöckchen im Naturgarten – auf einen Blick
Robuste Arten bevorzugen:
Besonders gut für den Naturgarten geeignet ist das einfache Schneeglöckchen (Galanthus nivalis). Es verwildert zuverlässig und kommt ohne Pflege aus.Standorte naturnah wählen:
Ideal sind Gehölzränder, lichte Stellen unter Laubbäumen oder extensiv gepflegte Rasenflächen.Laub stehen lassen:
Die Blätter nach der Blüte nicht abschneiden oder früh mähen – sie versorgen die Zwiebel für das nächste Jahr.Sparsam eingreifen:
Kein Mineraldünger, kein Umgraben, kein jährliches Umsetzen. Schneeglöckchen mögen Ruhe.Rücksicht auf Insekten nehmen:
Schneeglöckchen sind eine wichtige frühe Nahrungsquelle. Bestände nicht komplett auslichten oder abernten.Geduld haben:
Im Naturgarten breiten sich Schneeglöckchen oft langsam, aber nachhaltig aus – manchmal übernehmen sogar Ameisen die Vermehrung.
Schneeglöckchen pflanzen – der richtige Standort
Damit Schneeglöckchen sich wohlfühlen und über Jahre hinweg vermehren, ist der richtige Standort entscheidend. In der Natur wachsen sie dort, wo sie im Frühjahr Licht bekommen und im Sommer geschützt stehen – genau das mögen sie auch im Garten.
Ideal sind halbschattige bis sonnige Plätze, zum Beispiel unter Laubbäumen oder Laubhecken. Im zeitigen Frühjahr, wenn die Bäume noch kahl sind, erhalten die Schneeglöckchen ausreichend Licht. Später sorgt das Laub für Schatten und schützt den Boden vor dem Austrocknen.
Der Boden sollte humos, locker und eher feucht, aber gut durchlässig sein. Staunässe mögen Schneeglöckchen nicht, kurze Trockenphasen im Sommer vertragen sie hingegen problemlos, da sie sich dann ohnehin in ihre Zwiebel zurückziehen.
Auch im Rasen lassen sich Schneeglöckchen gut pflanzen. Wichtig ist hier, mit dem Mähen so lange zu warten, bis das Laub nach der Blüte vollständig eingezogen ist. So können die Zwiebeln genug Kraft für das nächste Jahr sammeln.
Wer Schneeglöckchen einmal an einen passenden Platz gesetzt hat, wird oft über Jahre hinweg mit immer größeren Beständen belohnt.
Warum sollte man Schneeglöckchen nicht umpflanzen, wenn sie eingezogen sind?
Nach dem Einziehen sind Schneeglöckchen kaum noch sichtbar. Beim Umpflanzen besteht dann die Gefahr, die Zwiebeln zu beschädigen oder zu verlieren. Direkt nach der Blüte ist der sicherste Zeitpunkt.
Warum blühen meine Schneeglöckchen nicht mehr?
Häufige Ursachen sind zu wenig Licht, ein zu trockener Standort oder das zu frühe Entfernen der Blätter nach der Blüte. Auch sehr dichte Horste können mit der Zeit blühfaul werden und profitieren dann vom Teilen.
Kann man Schneeglöckchen im Topf kultivieren?
Ja, Schneeglöckchen lassen sich auch im Topf oder in Schalen kultivieren. Wichtig sind ein durchlässiges Substrat, ein kühler Standort im Winter und ausreichend Feuchtigkeit im Frühjahr.

Schneeglöckchen pflegen – das brauchen sie wirklich
Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) gehören zu den pflegeleichtesten Frühlingsblühern überhaupt. Wenn der Standort passt, brauchen sie nur wenig Aufmerksamkeit.
Im Frühjahr freuen sich Schneeglöckchen über ausreichend Feuchtigkeit, besonders nach trockenen Wintern. Zusätzliche Bewässerung ist meist nicht nötig, außer bei sehr lang anhaltender Trockenheit. Gedüngt werden muss nur sparsam: Eine dünne Schicht reifer Kompost im Herbst reicht völlig aus.
Wichtig ist, das Laub nach der Blüte nicht abzuschneiden. Auch wenn die Blätter irgendwann unordentlich wirken – sie sind entscheidend dafür, dass die Zwiebel Kraft für das nächste Jahr sammelt. Erst wenn das Laub vollständig eingezogen ist, darf es entfernt oder übermäht werden.
Im Sommer ziehen sich Schneeglöckchen vollständig in ihre Zwiebeln zurück. In dieser Zeit brauchen sie keine Pflege und vertragen auch Trockenheit gut. Staunässe sollte jedoch ganzjährig vermieden werden, da sie die Zwiebeln schädigen kann.
Kurz gesagt:
Schneeglöckchen möchten in Ruhe gelassen werden. Wer ihnen diesen Raum gibt, wird Jahr für Jahr mit zuverlässig blühenden Beständen belohnt.

Schneeglöckchen vermehren und teilen
Schneeglöckchen vermehren sich mit der Zeit ganz von selbst. An einem passenden Standort bilden sie Tochterzwiebelnund entwickeln nach einigen Jahren dichte Horste. Wer diesen Prozess beschleunigen oder Schneeglöckchen an andere Stellen im Garten bringen möchte, kann sie gezielt teilen.
Der beste Zeitpunkt dafür ist direkt nach der Blüte, solange das Laub noch grün ist. In dieser Phase sind die Pflanzen gut sichtbar und verkraften das Umsetzen am besten. Mit einer Grabgabel wird der Horst vorsichtig gelockert und aus dem Boden gehoben. Anschließend lassen sich die Zwiebeln behutsam auseinanderziehen oder -brechen.
Die Teilstücke sollten jeweils mehrere Zwiebeln umfassen und zügig wieder eingepflanzt werden. Ideal sind Abstände von etwa 5 bis 10 Zentimetern, damit die Zwiebeln genug Platz haben, sich weiter zu vermehren. Nach dem Einsetzen gut andrücken und bei Bedarf leicht angießen.
Neben der Teilung können sich Schneeglöckchen auch durch Selbstaussaat verbreiten. In naturnahen Gärten übernehmen häufig Ameisen diese Aufgabe, indem sie die Samen verschleppen. Diese Form der Vermehrung braucht Geduld, sorgt aber oft für besonders natürliche Bestände.
Wer Schneeglöckchen regelmäßig teilt, hält die Pflanzen vital und sorgt dafür, dass sie über viele Jahre zuverlässig blühen.

Beliebte Schneeglöckchen-Sorten
Weltweit gibt es inzwischen mehrere hundert Schneeglöckchen-Sorten und -Arten. Viele davon unterscheiden sich nur in kleinen Details – für Sammler sind genau diese Unterschiede jedoch besonders reizvoll. Für den Garten eignen sich vor allem robuste und zuverlässig blühende Sorten.
Galanthus nivalis – das einfache Schneeglöckchen
Das gewöhnliche Schneeglöckchen ist die bekannteste und zugleich unkomplizierteste Art. Es verwildert gut, bildet mit der Zeit große Horste und eignet sich ideal für naturnahe Gärten, unter Bäumen oder im Rasen. Wer Schneeglöckchen pflanzen und pflegen möchte, ist mit dieser Art bestens beraten.
Galanthus elwesii – das Großblütige Schneeglöckchen
Diese Art blüht oft etwas früher und besitzt größere, auffällige Blüten. Sie liebt durchlässige Böden und ist besonders in milden Regionen sehr beliebt. Ihre kräftige Erscheinung macht sie gut sichtbar im Garten.
Galanthus plicatus – das Faltblättrige Schneeglöckchen
Charakteristisch sind die leicht nach außen gefalteten Blätter. Diese Art gilt als robust und wird häufig als Ausgangsform für Züchtungen verwendet. Sie wächst etwas langsamer, ist aber sehr langlebig.
Besondere Sorten für Liebhaber
Neben den klassischen Arten gibt es Schneeglöckchen mit gelben Zeichnungen, grünen Mustern, gefüllten Blüten oder ungewöhnlichen Blütenformen. Diese Sorten sind oft empfindlicher und werden meist von erfahrenen Gärtnern oder Sammlern gepflegt.
Es gibt Schneeglöckchen mit gelben Köpfchen, andere zeigen grüne Zeichnungen auf den weißen Blütenblättern. Manche überraschen sogar mit ungewöhnlichen Blütenformen, die man auf den ersten Blick kaum als Schneeglöckchen erkennt.
Und es bleibt nicht beim klassischen Frühjahrsboten:
Inzwischen sind herbstblühende Arten ebenso erhältlich wie späte Sorten, die uns im April noch einmal mit ihren Blüten erfreuen.
Schneeglöckchenliebhaber nennen sich Galantophile. Viele von ihnen tauschen ihre Schätze untereinander oder verkaufen besonders seltene Sorten – teils für erstaunlich viel Geld.
Erfahrene Schneeglöckchenkenner gehen dabei sehr sorgfältig vor. Sie pflanzen besondere Zwiebeln oft in Körbchen und schneiden die Blüten nach dem Verblühen ab, um die Sorten rein zu halten und unerwünschte Kreuzungen zu vermeiden.
In unserem Naturgarten darf es dagegen etwas entspannter zugehen. Dort kümmern sich vor allem Ameisen um die Vermehrung und Verbreitung der Schneeglöckchen – ganz ohne mein Zutun.
Und trotzdem werde ich ab und zu schwach. Dann begeistert mich eine neue Sorte und landet ganz plötzlich in meinem Einkaufswagen.
Dieses Jahr steht übrigens ein Schneeglöckchen mit gelben Köpfchen ganz oben auf meiner Wunschliste.

Schneeglöckchen kaufen – worauf achten?
Wenn du Schneeglöckchen im Garten etablieren möchtest, beginnt alles mit der richtigen Auswahl – sowohl bei den Zwiebeln als auch bei der Bezugsquelle.
Qualität der Zwiebeln
Gute Schneeglöckchen-Zwiebeln sollten:
fest und prall sein (ohne weiche Stellen),
keine Anzeichen von Schimmel oder Fäulnis zeigen,
eine intakte, trockene Außenhaut besitzen.
Je kräftiger die Zwiebel, desto besser sind die Chancen, dass sie im nächsten Frühjahr zuverlässig austreibt und blüht.
Sortenauswahl
Für Einsteiger eignen sich vor allem bewährte Arten wie Galanthus nivalis oder Galanthus plicatus.
Wenn du schon etwas Erfahrung hast, kannst du dich an besondere Sorten mit grünen Zeichnungen, besonderen Blütenformen oder gelben Akzenten heranwagen.
Bezugsquelle
Achte darauf, dass du Schneeglöckchen-Zwiebeln bei seriösen Anbietern kaufst:
Gute Baumschulen
Fachversender für Zwiebelpflanzen
Regionale Gartenbetriebe
Vermeide billige Zwiebeln unbekannter Herkunft aus dem Discounter. Häufig sind diese kleiner, schwächer oder nicht sortenrein.
Pflanzzeitpunkt
Die ideale Zeit, Schneeglöckchen-Zwiebeln zu setzen, ist Herbst bis Anfang Winter, bevor der Boden richtig durchfriert. So können sich die Zwiebeln vor der Blüte gut etablieren.

Warum Schneeglöckchen süchtig machen können
Schneeglöckchen sind nicht nur die allerersten frühe Frühlingsboten – sie lösen bei vielen Gartenliebhabern eine echte Leidenschaft aus. Ich bin ihnen vollkommen verfallen!
Wie schafft es eigentlich eine Pflanze,
unscheinbar, zart, kaum größer als mein kleiner Finger,
dass ich Summen für sie ausgebe,
die problemlos einen Kurzurlaub in Paris finanzieren könnten?
Und wie konnte es so weit kommen,
dass ich mich an frostigen Wintermorgen
in Daunenmantel und gefütterten Handschuhen
mit dubiosen Gestalten treffe,
um seltene Exemplare zu tauschen
wie verbotene Ware auf einem botanischen Schwarzmarkt?
Keine Sorge.
Es geht nicht um Diamanten.
Es geht um Schneeglöckchen.
"Wie spielende kleine Elfchen in weißen Festtagskleidern schweben sie über dem gefrorenen Rasen und tanzen im Wind.
Ich konnte nicht ahnen,
dass diese "kleinen Elfchen" mich dazu bringen würden,
Sortennamen auswendig zu lernen,
über Bodenbeschaffenheiten zu diskutieren
und Knollen zu bestaunen,
die andere für gewöhnliche Zwiebeln halten.
Es begann mit einem winzigen weißen Glöckchen,
das sich durch gefrorene Erde schiebt
und leise flüstert:
"Du kommst nicht mehr von mir los."
Und ganz ehrlich?
Ich habe es gar nicht versucht.
Warum wachsen Schneeglöckchen oft in der Nähe alter Klöster?
Viele Schneeglöckchenbestände gehen auf frühere Gartenpflanzungen zurück. Klöster spielten eine wichtige Rolle bei der Verbreitung, weshalb man Schneeglöckchen heute häufig in deren Umgebung findet.
Schneeglöckchen gibt es bei uns erst seit rund 500 Jahren
Auch wenn es sich heute so anfühlt, als hätten Schneeglöckchen schon immer zu unseren Wintern gehört – ganz so ist es nicht. Ursprünglich stammen sie aus dem Kaukasus, aus Vorderasien sowie aus Mittel- und Südeuropa.
Bei uns tauchten sie wohl erst ab dem 16. Jahrhundert auf. Zunächst wuchsen sie in Klostergärten, später dann auch in den Hausgärten. Die erste bekannte Erwähnung in Deutschland stammt aus dem Jahr 1588 von Joachim Camerarius aus Nürnberg.
Die weißen Blütenbänder, die man heute im Januar an Waldrändern entdeckt, sind also keine echten Wildpflanzen, sondern verwilderte Gartenbewohner. Deshalb findet man auch häufig besonders große Schneeglöckchenbestände in der Nähe alter Klöster.
Eine spannende Wendung nahm die Geschichte im 19. Jahrhundert: Angeblich brachten englische Soldaten während des Krimkriegs (1853–1856) Schneeglöckchenzwiebeln nach England. Dort begann eine regelrechte Züchterleidenschaft. Durch Kreuzungen mit heimischen und türkischen Arten entstanden zahlreiche neue Sorten – viele von ihnen begeistern Schneeglöckchenfreunde bis heute.

Können Schneeglöckchen wirklich Schnee schmelzen?
Ein kleines Wunder ist das Schneeglöckchen ganz ohne Zweifel. Jedes Jahr schiebt es sich scheinbar mühelos durch gefrorenen Boden und manchmal sogar durch eine geschlossene Schneedecke. Und genau dabei stellt sich seit Langem eine faszinierende Frage:
Produzieren Schneeglöckchen selbst Wärme, um den Schnee über sich zu schmelzen?
Bis heute ist das nicht abschließend geklärt. Forschende haben untersucht, ob Schneeglöckchen sogenannte Biowärmeerzeugen können – also Wärme, die durch Stoffwechselprozesse entsteht. Es gibt tatsächlich Pflanzen, die dazu in der Lage sind. Einige Aronstabgewächse zum Beispiel heizen ihre Blütenstände deutlich auf, um Insekten anzulocken.
Beim Schneeglöckchen konnte dieses Phänomen bislang jedoch nicht eindeutig nachgewiesen werden. Messungen zeigen zwar, dass die Temperatur im Inneren der Pflanze manchmal minimal höher ist als die Umgebungstemperatur, aber nicht in einem Ausmaß, das Schnee aktiv schmelzen würde.
Was man allerdings sicher weiß:
Das gewöhnliche Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) ist vollständig frosthart – und zwar mit allem, was dazugehört. Nicht nur die Zwiebel übersteht eisige Temperaturen, sondern auch Stängel und Blüten sind so aufgebaut, dass sie Frost problemlos aushalten. Ihre Zellen enthalten Stoffe, die wie eine Art natürlicher Frostschutz wirken und verhindern, dass sie durch gefrierendes Wasser zerstört werden.
Vielleicht ist es also gar keine selbst erzeugte Wärme, die das Schneeglöckchen so früh erscheinen lässt, sondern eine beeindruckende Kombination aus Frosthärte, Wachstumskraft und perfekter Anpassung an den Winter.
Wie auch immer:
Dass eine so zarte Pflanze der Kälte trotzt und uns mitten im Winter den Frühling ankündigt, bleibt ein kleines botanisches Wunder.
Sind Schneeglöckchen giftig?
Ja, Schneeglöckchen sind giftig. Alle Pflanzenteile enthalten Alkaloide, die bei Verzehr zu Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen führen können. Besonders die Zwiebeln sind problematisch und sollten niemals gegessen werden.
Im Garten stellt das Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) für Erwachsene meist kein Risiko dar, solange es nicht verzehrt wird. Kinder und Haustiere sollten jedoch nicht an den Pflanzen knabbern. Beim Pflanzen oder Teilen empfiehlt es sich, Handschuhe zu tragen und danach die Hände zu waschen.
Das Schneeglöckchen als Medizinpflanze – Hilfe bei Alzheimer
So zart und harmlos das Schneeglöckchen wirkt: Es trägt ein gut gehütetes Geheimnis in sich.
Denn obwohl die Pflanze schwach giftig ist, gehört sie gleichzeitig zu den wenigen echten Heilpflanzen des Winters.
Vermutlich ahnten schon die alten Griechen, dass im Schneeglöckchen mehr steckt, als man ihm ansieht. Sicher belegt ist heute jedenfalls: Die Pflanze enthält einen Wirkstoff namens Galanthamin – ein Alkaloid, das die Symptome einer Alzheimer-Demenz lindern kann.
Entdeckt wurde dieser Stoff im 20. Jahrhundert von russischen Forschern, die sich mit Pflanzen aus der Familie der Amaryllisgewächse beschäftigten. Galanthamin wirkt im Gehirn, indem es den Abbau eines wichtigen Botenstoffs verlangsamt, der für Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Lernfähigkeit eine zentrale Rolle spielt. Die Krankheit selbst kann es zwar nicht heilen, doch bei vielen Betroffenen lassen sich die Symptome spürbar mildern.
Heute wird Galanthamin nicht mehr aus Schneeglöckchen gewonnen, sondern rein synthetisch hergestellt. Seit fast 20 Jahren ist es als Arzneistoff zugelassen und wird weltweit bei der im höheren Alter häufig auftretenden Alzheimer-Demenz eingesetzt.
Erstaunlich, dass ausgerechnet eine Pflanze, die sich mitten im Winter durch Frost und Schnee schiebt, einen Wirkstoff liefert, der dem Vergessen entgegenwirkt.
Ein weiteres Beispiel dafür, dass selbst die kleinsten Gartenpflanzen große Geschichten erzählen können.

Das Schneeglöckchen kommt vielleicht schon in der altgriechischen Saga Odyssee vor

Nach einem Sturm strandet Odysseus auf der Insel der Zauberin Kirke. Ein Teil seiner Mannschaft erkundet die Insel und wird von ihr freundlich zum Essen eingeladen. Doch Kirke mischt dem Mahl ein pflanzliches Zaubermittel bei, das die Männer ihr Gedächtnis verlieren lässt – und sie obendrein in Schweine verwandelt.
Odysseus selbst entgeht diesem Schicksal nur dank göttlicher Hilfe. Der Götterbote Hermes überreicht ihm eine geheimnisvolle Pflanze namens Moly, die ihn vor dem Vergessen schützt. Mit ihrer Hilfe kann Odysseus Kirke widerstehen, den Zauber brechen und seine Gefährten retten.
Homer beschreibt diese Pflanze erstaunlich genau:
"Ihre Wurzel war schwarz,
und milchweiß blühte die Blume;
Moly wird sie genannt von den Göttern."
(Odyssee, X, 302–304)

Diese Beschreibung hat die Fantasie von Botanikerinnen und Botanikern bis heute beschäftigt. Die milchweiße Blütepasst verblüffend gut zum Schneeglöckchen – doch die schwarze Wurzel wirft Fragen auf. Ganz schwarz ist die Zwiebel von Galanthus nivalis schließlich nicht.
Deshalb vermuten manche Forschende, dass mit Moly eher eine Allium-Art, etwa Allium oder Schwarzlauch, gemeint sein könnte. Knoblauchgewächse galten schon früh als schützende Pflanzen – gegen Krankheiten, gegen Verzauberung und, wie mir meine Kinder jedes Jahr an Halloween versichern, ganz eindeutig auch gegen Vampire.
Ob nun Schneeglöckchen oder Lauch:
Die Vorstellung, dass eine kleine Pflanze vor dem Vergessen schützt, verbindet auf faszinierende Weise Mythologie, Medizin und Gartenwelt. Und vielleicht liegt genau darin der Zauber, der Schneeglöckchen bis heute umgibt.

Schneeglöckchen stärken im Winter das Immunsystem von Gartenliebhabern
Wie auch immer man es dreht:
Das Schneeglöckchen bleibt ein bezaubernder Bote des nahenden Frühlings. Gerade im Winter, wenn die Tage grau sind und der Garten still wirkt, genügt oft schon der Gedanke an diese ersten kleinen Blüten, um neue Energie zu wecken.
An trüben Wintertagen wie heute ist es jedenfalls genau diese Hoffnung, die mich von der Couch aufstehen lässt und nach draußen lockt. Nur mal schauen, ob sich nicht doch schon ein zartes, anmutiges Elfchen durch die Erde schiebt. Vielleicht bewegt sich etwas. Vielleicht auch nicht. Aber allein der Gang hinaus an die frische Luft tut gut.
Ein bisschen Licht, ein bisschen Bewegung, ein bisschen Vorfreude –
wenn das nicht gut für das Immunsystem ist, dann weiß ich auch nicht.
Am Ende sind es oft die kleinen Dinge, die bleiben.
Ob man sie nun einfach nur bestaunt, achtsam pflegt oder sich – wie ich – in sie verliebt: Schneeglöckchen erinnern uns daran, genauer hinzuschauen. Auf die Natur. Auf den Rhythmus der Jahreszeiten. Und manchmal auch auf uns selbst.
So, ich geh dann mal raus in den Garten.
Nur kurz schauen. 🌱

Ich freue mich sehr über Eure Kommentare und Rückmeldungen, Anregungen neue Ideen!
Herzliche Grüße
Eure Marion
Kommentare:
24.12.2021 Bettina
Das ist ja zauberhaft😃
Antwort:
Liebe Bettina, herzlichen Dank und weihnachtliche Grüße! Marion
28.01.2022 Susanna von einfach-garten-blog.de
Liebe Marion,
dein Porträt über die Schneeglöckchen ist wunderschön! Ich habe bisher nur G. nivalis und G. elwesii, beide wohl die Art. Aber ein herbstblühendes Schneeglöckchen steht auf meiner Wunschliste. Wenn ich höre, dass du bei neuen Sorten schwach wirst, bekomme ich richtig Lust, mal eine Sammlerbörse zu besuchen. Nur mal gucken ... wirklich, ... nur gucken ...!
Ich wünsche dir ein schönes Wochenende, liebe Grüße,
Susanna
Antwort:
Liebe Susanna,
vielen Dank! Die herbstblühenden Schneeglöckchen finde ich auch spannend. Auf meiner geheimen Wunschliste steht G. reginae olgae, das von Oktober bis Januar blüht und damit Blüten in die dunkle Winterzeit bringt! Eine Sammlerbörse klingt toll, nur dort würde ich ganz bestimmt nicht nur mal gucken.. Sei herzlich gegrüßt Marion
03.02.2022 Traudi von Drosselgarten kreativ
Liebe Marion,
ich liebe das Schneeglöckchen und ja, ich gehe auch immer hinaus in den Garten und gucke, ob etwas weißes aus der Erde blitzt. Was soll Dir sagen, ich entdeckte unter den Kletterrosen in vielen Buchenblättern kleine Schneeglöckchenblüten. Herrlich! Dein Bericht über das Schneeglöckchen ist wunderbar und vieles wußte ich von diesem großartigen Geschöpf nicht. Es gibt sooo viele Sorten. Sehr schön finde ich die gefüllte Sorte. Danke für die Erklärung. und die schönen Fotos.
Herzliche Grüße von Traudi.♥ aus dem Drosselgarten
Antwort:
Liebe Traudi, herzlichen Dank! Bei Dir leuchten mir ja schon auf Deiner Starseite sofort die Schneeglöckchen entgegen, mit einer ganz zaubehaften Bastelidee zusammen. Genieße die winterlichen Sonnenstrahlen. Liebe Grüße Marion
11.03.2023 Susanna
Hallo Marion,
wer könnte sie nicht lieben, diese zauberhaften Boten des Vorfrühlings? Das ist ein interessanter Artikel mit wunderschönen Fotos! Ich finde es immer wieder spannend, wie unterschiedlich wir an die Themen herangehen und wie vielfältig die Beiträge sind. Einfach eine Bereicherung!
Liebe Grüße
Susanna
Selbstverständlich passe ich auf Deine Daten genau so sorgfältig wie auf meine Pflänzchen auf.
Ich gebe sie auch nicht weiter, versprochen!
Soll ich Dir eine kurze Email schicken, wenn es Neues für Blütenliebhaber gibt?
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