Naturgarten planen nach Einzug, Übernahme oder Umgestaltung – Schritt für Schritt & alltagstauglich

01.09.2025

So findest du deinen eigenen Weg – ohne Stress und Perfektionsdruck

Ein Gartenanfang fühlt sich oft größer an, als er ist.
Plötzlich ist da Fläche. Erde. Möglichkeiten. Und viele Fragen.

Endlich ein eigenes Stück Natur.
Ein Garten, in dem du barfuß durch das Gras gehen kannst. Ein Platz, an dem du draußen sitzt und Schmetterlinge um dich herum tanzen. Wo du selbst gesätem Gemüse von Frühjahr bis Herbst beim Wachsen zusiehst. Ein Ort für Tiere – und ein Raum, in dem dein ganz persönlicher Traumgarten entstehen darf.

Doch mit der Vorfreude kommen oft leise Zweifel.
Wie viel Arbeit wird dieser Garten machen? Schaffe ich das überhaupt? Wie soll dieser Garten werden, damit er wirklich zu mir passt?

Diese Fragen beschäftigen fast alle Menschen, die neu einen Garten besitzen – besonders dann, wenn bisher die Erfahrung fehlt. Die Angst, dass alles eingeht. Die Sorge, dass das Unkraut über den Kopf wächst, sobald man einmal im Urlaub ist. Der Wunsch nach einem natürlichen Garten, ja. Aber bitte ohne Chaos.

Die gute Nachricht: Für einen Naturgarten musst du kein Gärtner sein.
Dein Garten darf sich dir zuerst zeigen. Du darfst ihn kennenlernen, beobachten, ausprobieren – ganz ohne Druck. Erst danach wird geplant, Schritt für Schritt, passend zu dir und deinem Leben.

Vielleicht bist du gerade erst eingezogen und blickst durch die Terrassentür auf einen noch leeren Garten.
Vielleicht bist du frischgebackener Besitzer eines Schrebergartens oder hast einen Garten in einer Gartensparte übernommen.
Oder du hast einen bestehenden Garten geerbt oder gekauft, der sich einfach nicht nach "eurem" Garten anfühlt.

Manchmal verändert sich auch das Leben – und der Garten darf mitgehen.
Was früher gepasst hat, fühlt sich heute vielleicht nicht mehr richtig an.

Ganz egal, an welchem Punkt du startest:
👉 Du musst nicht alles sofort entscheiden.
Ein Naturgarten darf sich entwickeln – in deinem Tempo, Schritt für 

Drei typische Ausgangssituationen beim Gartenstart – und was sie gemeinsam haben

Einen Garten zu übernehmen oder neu zu beginnen fühlt sich oft überwältigend an.
Unabhängig davon, wie du zu deinem Garten gekommen bist, zeigen sich immer wieder drei typische Ausgangssituationen – mit einer gemeinsamen Erkenntnis:
👉 Du musst nicht sofort alles wissen oder entscheiden.

🌱 1. Neu eingezogen: Haus fertig, Garten leer

Der Garten ist eine leere Leinwand.
Das fühlt sich frei an – und gleichzeitig überfordernd.

Ein leerer Garten verführt dazu, sofort alles planen, kaufen und umsetzen zu wollen. Genau hier liegt der häufigste Fehler: zu schnell zu viel.

👉 Im Naturgarten gilt ein einfacher Grundsatz:
Beobachten kommt vor Gestalten.

Ein leerer Garten ist kein Versäumnis, sondern ein Geschenk – er gibt dir Zeit, deinen Ort kennenzulernen.

🌿 2. Garten übernommen: Alles ist da – aber nichts passt

Ein übernommener Garten bringt oft viel mit:

  • alte Strukturen
    (bei uns: verunkrautete Beete, betonierte Terrassen, Wege aus Waschbetonplatten, versiegelte Hofbereiche, große Rasenflächen)

  • eingewachsene Pflanzen
    (Kirschlorbeerhecken, Thuja, Forsythien)

  • Gewohnheiten früherer Besitzer
    (rechteckige Einfassungen, Beton-Beetkanten, Wege, die ins Nichts führen)

Nicht alles davon ist schlecht – auch wenn es sich zunächst fremd anfühlt.

👉 Im Naturgarten lohnt es sich besonders:

  • Bestehendes zu prüfen
    (Könnte die alte Betonterrasse vielleicht unser neuer Essplatz werden?)

  • Pflanzenschätze zu entdecken
    (alte Pfingstrosen, Astern, Obstbäume)

  • nicht alles sofort zu entfernen
    (über die Thujahecke als Schutz vorne an der Straße waren wir am Ende doch froh)

Manches entfaltet seinen Wert erst mit etwas Zeit.

🍂 3. Garten umgestalten: Dein Leben hat sich verändert

Manchmal ist der Garten nicht neu – aber das Leben ist es:

  • Kinder werden größer

  • Arbeitszeiten ändern sich

  • mehr oder weniger Kraft

  • neue Prioritäten

Was früher gepasst hat, fühlt sich heute vielleicht nicht mehr richtig an.

👉 Ein Naturgarten darf sich mitverändern.
Umgestaltung ist kein Scheitern, sondern Weiterentwicklung.

Der wichtigste erste Schritt: Ankommen und beobachten

Egal, in welcher Situation du bist:
Der erste Schritt ist nicht planen, sondern beobachten.

Nimm dir – wenn möglich – mindestens eine Gartensaison Zeit und achte auf:

  • Sonnen- und Schattenverlauf (auch im Winter!)

  • windige und geschützte Bereiche

  • feuchte und trockene Zonen

  • vorhandene Pflanzen
    (Fotos machen, Pflanzenschätze markieren)

Diese Beobachtungen sind oft wertvoller als jeder Plan auf Papier.

Nicht alles auf einmal – warum langsames Planen sinnvoll ist

Ein Naturgarten entsteht nicht an einem Wochenende.
Und genau das ist seine große Stärke.

Wer Schritt für Schritt plant:

  • spart Geld

  • vermeidet Fehlkäufe

  • lernt den eigenen Garten kennen

  • bleibt flexibel

Viele Entscheidungen klären sich mit der Zeit von selbst.
Und manches wächst ganz von alleine – auch das gehört zum Naturgarten.

Bestehendes respektieren – auch wenn du es verändern willst

Gerade bei übernommenen Gärten lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Alte Gehölze erhalten – sie sind unbezahlbar

Große Bäume, alte Obstgehölze oder eingewachsene Sträucher bieten:

  • Schatten und Kühle im Sommer

  • ein ausgeglichenes Mikroklima

  • Lebensraum für Tiere

  • sofortige Struktur und Tiefe

Typische Fragen bei der Gartenübernahme:

  • Ist der Baum zu groß?

  • Muss der alte Apfelbaum weg?

Oft reicht:

  • den Baum aufzuästen

  • einen Obstbaum fachgerecht schneiden zu lassen

  • die Krone auszulichten statt zu fällen

Plötzlich trägt der Baum wieder Früchte – und wird zum Herzstück des Gartens.

💡 Praxis-Tipp:
Plane einen Sitzplatz im Baumschatten und unterpflanze den Baum mit Stauden, Zwiebelblumen oder Frühjahrsblühern. Hier geht es zu meinen Artikel, in dem ich zeige wie man Bäume unterpflanzt.

Vorhandene Strukturen weiterdenken – statt sie zu entfernen

Viele alte Strukturen wirken auf den ersten Blick unmodern, sind aber sehr wertvoll.

Beete vergrößern statt verlegen

  • schmale Beete zusammenfassen

  • Beete verbreitern statt neue anzulegen
    weniger Kanten = weniger Pflege

Alte Fundamente sinnvoll nutzen

  • als Basis für Sitzplätze

  • für Hochbeete

  • als Standfläche für Töpfe oder Bänke

Hecken nicht roden, sondern ergänzen

  • alte Hecken als ruhigen Hintergrund nutzen

  • mit Wildstauden, Beerensträuchern oder Rosen ergänzen

  • abschnittsweise verjüngen

Betonplatten neu legen

  • Waschbetonplatten auseinanderziehen

  • Fugen begrünen (z. B. mit Thymian, Sedum, Kräutern)

👉 Nicht jeder Beton muss raus, um einen Naturgarten zu gestalten.

Boden nicht unnötig bewegen

Die oberste Bodenschicht ist wertvoller Mutterboden – voller Bodenleben.
Großflächiges Umgraben zerstört genau das, was den Garten langfristig fruchtbar macht.

👉 Besser:

  • punktuell verbessern

  • mit Kompost arbeiten

  • Boden bedeckt halten

Kleine Veränderungen mit großer Wirkung

Du musst nicht alles auf einmal umgestalten.
Oft reichen kleine Schritte:

  • eine neue Sitzecke oder ein Hängesessel im alten Baum

  • ein Insel-Beet im Rasen

  • ein Weg, der neu geführt wird

  • Stauden statt kurzlebiger Pflanzen

So wächst der Garten organisch, überschaubar und mit dir mit.

Merksatz für Gartenübernehmer:innen

Ein Naturgarten profitiert von Reife.
Was schon da ist, hat oft gute Gründe.

Wann es sinnvoll ist, bewusst neu zu starten

Manchmal hilft kein Anpassen mehr – dann darf es ein klarer Schnitt sein.
Das ist kein Scheitern, sondern eine bewusste Entscheidung.

Ein Neustart kann sinnvoll sein,

  • wenn vorhandene Strukturen nicht mehr nutzbar sind

  • wenn der Pflegeaufwand dauerhaft zu hoch geworden ist

  • wenn der Garten dich eher stresst als unterstützt

Auch in dieser Phase gilt:
👉 Nicht alles muss sofort neu entstehen.

Leere Flächen sind kein Problem.
Sie sind eine Einladung zum Beobachten, Nachdenken und Neuentwickeln.

Naturgarten heißt: Entscheidungen dürfen sich ändern

Ein Naturgarten ist kein fertiger Zustand.
Er ist ein Prozess.

Was heute wichtig ist, kann sich in fünf Jahren verändern.
Was heute passt, darf später gehen.

Das Ziel ist kein perfekter Garten –
sondern ein Garten, der zu deinem Leben passt und dich im Alltag trägt.

Ja, du wirst das schaffen.
Dein Gartenprojekt darf wachsen – genauso wie du selbst. Dein Garten muss nicht von Anfang an perfekt sein. Er darf sich entwickeln, während du lernst, ausprobierst und Erfahrungen sammelst.

Ein gut geplanter Naturgarten kann überraschend pflegeleicht sein. Mit der richtigen Struktur und passenden Pflanzen reguliert er vieles selbst. Deine Wildstauden überstehen auch einmal eine Urlaubspause – besonders dann, wenn wir klug pflanzen, am besten im Herbst. So haben die Pflanzen Zeit, sich zu verwurzeln, bevor der nächste Sommer kommt.

Ein Naturgarten bedeutet übrigens keine Wildnis, die man nur mit Gummistiefeln und Machete betreten kann. Er ist kein Chaos, sondern ein bewusst gestalteter, lebendiger Garten. Einer mit klaren Wegen, erkennbaren Bereichen und viel Leben. Und ja: Auch die Nachbarn werden akzeptieren – und oft sogar bewundern – was bei dir alles blüht und summt.

Manchmal gehen Pflanzen ein. Das gehört dazu.
Das bedeutet nicht, dass du versagt hast. Jeder Garten hat einen anderen Boden, ein eigenes Mikroklima und seine ganz persönlichen Eigenheiten. Nicht jede Pflanze fühlt sich überall wohl. Ich musste zum Beispiel akzeptieren, dass die hübschen Echinacea in meinem Garten einfach nicht wachsen wollen. Dafür gedeihen andere Pflanzen umso besser.

Genau das macht jeden Garten einzigartig.
Finde heraus, was bei dir funktioniert. Tausche Stauden mit deinen Nachbarn – was im Nachbargarten kräftig wächst, hat meist auch bei dir gute Chancen.

Dein Alltag, deine Energie und deine Wünsche bestimmen deinen Garten. Du darfst deinen ganz eigenen, individuellen Gartenstil entwickeln – ohne Vergleiche, ohne Druck.

Ein Naturgarten entsteht in Etappen.
Nichts muss im ersten Jahr fertig sein. Feste Bereiche, klare Wege und kleine Ziele geben Orientierung und Halt. Machbare Schritte statt Überforderung.

Und das Wichtigste:
Ein Garten verzeiht. Fast alles lässt sich verändern.
Ein Naturgarten gibt dir mehr zurück, als er von dir fordert – Ruhe, Freude, Verbundenheit und das gute Gefühl, Teil eines lebendigen Ganzen zu sein.

Wie es weitergeht

Wenn du deinen Garten nach Einzug, Übernahme oder Umgestaltung neu denken möchtest, findest du hier den Überblick:

👉 Pflegeleichten Naturgarten planen – Schritt für Schritt

Dort geht es weiter mit:

  • Traumphase & Realitätsphase der Gartenplanung

  • Gartennutzung sinnvoll planen

  • Staudenbeeten im Naturgarten

  • Rasen, Wegen und Gartenzimmern

🌿 Mein Wunsch für dich:
Hab Geduld mit deinem Garten – und mit dir selbst.
Die besten Naturgärten entstehen nicht aus perfekten Plänen, sondern aus Beziehung.

Wenn du es eilig hast, und nach ersten  Schritten suchst, die dir helfen einen übernommenen Garten zu Deinem Naturgarten zu machen, hier ist eine kleine Checkliste, voller Ideen, die du schon umsetzen kannst während du noch beobachtest und ganz in. Ruhe planst: 

✅ Checkliste:

10 einfache Hacks, um deinen neu übernommenen Garten Schritt für Schritt zu deinem Naturgarten zu machen:

Diese Checkliste hilft dir, deinen Garten kennenzulernen, Vertrauen zu gewinnen und eine Verbindung aufzubauen – ohne Stress, ohne Vorwissen, ohne Perfektion.

☐ 1. Ein Jahr lang nichts Grundlegendes verändern

Bevor du Beete umgräbst oder Pflanzen entfernst: beobachten.
Wo ist Sonne? Wo Schatten? Wo bleibt es feucht? Was wächst von allein?
Dein Garten zeigt dir seinen Plan – kostenlos.

☐ 2. Eine Ecke bewusst in Ruhe lassen

Lass in einer Gartenecke Laub, alte Stängel und Pflanzen stehen.
Sofort mehr Insekten, Vögel und Leben – ganz ohne Arbeit.

☐ 3. Vorhandene Stauden teilen statt neu kaufen

Viele Pflanzen lassen sich teilen und neu setzen.
Robust, standortangepasst und kostenlos – besser als jede Neuanschaffung.

☐ 4. "Unkraut" erst kennenlernen, dann entscheiden

Nicht alles, was spontan wächst, ist ein Problem.
Viele Wildpflanzen sind wertvolle Insektennahrung oder zeigen dir etwas über den Boden.
Erst hinschauen, dann handeln.

☐ 5. Wege dort akzeptieren, wo du sie sowieso gehst

Beobachte deine Laufwege.
Dort gehören Trittplatten, Mulch oder einfach ein schmaler Pfad hin – nicht wo er geplant war.
Natürliche Ordnung statt künstlicher Struktur.

☐ 6. Ein persönliches Element aufstellen

Eine Bank, ein alter Stuhl, ein Stein oder Holzschemel.
Ein kleiner Anker – und der Garten fühlt sich sofort mehr nach dir an.

☐ 7. Drei Blühzeiten bewusst fördern

Achte darauf, dass im Garten etwas

  • im Frühling (setze Frühlingszwiebeln im Herbst)

  • im Sommer (Sähe im März oder April Kornblumen, Mohn und andere Sommerblumen aus)

  • im Herbst blüht (Herbstastern und Fetthenne)

    Mehr Nahrung für Insekten – ohne mehr Fläche.

☐ 8. Samen sammeln statt kaufen

Ringelblume, Malve, Kornblume oder Wilde Möhre einfach aussamen lassen oder sammeln.
Günstig, lokal angepasst und lebendig.

☐ 9. Mit Nachbarn tauschen

Frage nach Stauden, Stecklingen oder Samen.
Was im Nachbargarten gut wächst, funktioniert meist auch bei dir.
Gemeinschaft + Erfolgsgarantie.

☐ 10. Nicht alles aufräumen

Lass Samenstände, Laub unter Sträuchern und trockene Stängel bis zum Frühjahr stehen.
Das ist aktiver Naturschutz – ganz ohne Mehraufwand.

🌿 Wichtig zum Schluss

Dein Garten muss noch kein fertiger Naturgarten sein.
Er darf zuerst dein Garten werden.

Diese kleinen Schritte machen deinen Garten lebendiger, persönlicher und natürlicher –
lange bevor die eigentliche Gartenplanung beginnt.


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