Wege im Naturgarten

07.01.2026

Naturnahe Gartenwege planen, anlegen und erleben – vom Trittstein bis zum begrünten Fahrweg

Wege sind im Naturgarten weit mehr als reine Verbindungslinien.
Sie führen nicht nur von A nach B – sie führen durch Stimmungen, durch Licht und Schatten, durch Arbeit und Pause. 

Kleine Wege sind die spannendsten. Ein schmaler Pfad, der um eine Ecke verschwindet. Sich sanft durch das Grün zieht und neugierig macht, weil man sein Ziel nicht sofort sieht. Man folgt ihnen fast automatisch.

Gerade für Gartenanfänger sind Wege ein wunderbarer Einstieg in die Planung: Sie geben Struktur, Orientierung und Ruhe – noch bevor das erste Beet angelegt ist.

🌱 Warum Wege im Naturgarten so wichtig sind

Ein durchdachter Gartenweg:

  • lenkt Bewegungen ganz selbstverständlich

  • schützt Beete und Pflanzen

  • macht den Garten pflegeleichter

  • schafft Ordnung, ohne streng zu wirken

Im Naturgarten gilt:
So viele Wege wie nötig – so wenige wie möglich.

🚶‍♀️ Wege entstehen aus Bewegung, nicht aus dem Plan

Der wichtigste Grundsatz zuerst:
Lege Wege nicht dort an, wo sie auf dem Papier gut aussehen, sondern dort, wo du wirklich gehst.

Beobachte:

  • Wo kürzt du ab?

  • Wo bleibt das Gras flach?

  • Wo gehst du automatisch bei Regen, mit Gießkanne oder Einkaufstaschen?

Diese Trampelpfade sind keine Fehler – sie sind die ehrlichsten Wegvorschläge, die du bekommen kannst.

🌿 Die wichtigsten Wegarten im Naturgarten

Ein Weg aus Mulch führt zu der Meditationsterrasse und um die Terrasse herum
Ein Weg aus Mulch führt zu der Meditationsterrasse und um die Terrasse herum

Wegtyp 1: Mulchweg (Rindenmulch / Holzhäcksel)

Perfekt für Anfänger:innen – schnell, günstig, verzeihend. Mulchwege gehören zu den dankbarsten Wegen für Naturgärten.

Sie sind leise unter den Füßen, duften nach Holz und fügen sich ganz selbstverständlich in die Umgebung ein.

So wirken sie:
Ein Weg, der entschleunigt. Perfekt für Gartenteile, in denen man langsam geht, schaut, stehen bleibt.

Schritt-für-Schritt

  1. Grasnarbe abtragen (ca. 5–10 cm)
    Wirklich wegnehmen, sonst wächst es durch!

  2. Gefälle checken
    Ideal: leichtes Gefälle (1–2 %) vom Haus weg.

  3. Unkrautbrems-Schicht (optional, aber empfehlenswert)

    • Pappe ohne Plastik (Kartons, Klebeband ab!) überlappend auslegen (funktioniert super, vor dem Verlegen in ein Eimer mit Wasser tauchen, dann ist der Karton beweglicher, und passt sich dem Weg und der Mulde an)

    • oder ein atmungsaktives Unkrautvlies (weniger naturfreundlich als Pappe)

  4. Tragschicht (Drainage) bei Bedarf
    Wenn dein Boden sehr lehmig/nass ist: 3–5 cm Splitt (0/16) oder grober Sand unter den Mulch. (In unserem sandigen Boden habe keine Drainageschicht. Wenn du lehmigen Boden hast schreibe mir bitte einen Kommentar, ob wie bei dir die Mulchwege funktionieren!)

  5. Mulch auftragen
    6–10 cm Holzhäcksel/Rindenmulch (lieber dicker als zu dünn). Den Mulch kannst du im Baumarkt kaufen, oft kriegst du ihn aber auch bei deiner Gemeinde, wenn Astschnitt gehäckselt wird. Oder du häckselst deinen eignen Baum und Heckenschnitt. Häckselmaschinen kann man im Baumarkt auch ausleihen).

  6. Kante abstechen
    Einmal sauber – spart dir später viel Ärger (Leih dir einen Kantenstecher aus, wenn du keinen hast!).

Pflegeleicht-Hacks
  • 1× pro Jahr nachmulchen (2–3 cm)

  • Laub im Herbst nur grob abkehren (nicht "klinisch" sauber)

  • Wenn Unkraut kommt: früh ziehen, solange es klein ist

Drainage – wann wichtig?

  • Wichtig, wenn: lehmiger Boden, Pfützen, schattige Nordseite, Senken

  • Dann Splitt-Schicht + Mulch, und unbedingt Gefälle einplanen.

Trittsteine führen durch das Sternmoos zum Hängestuhl
Trittsteine führen durch das Sternmoos zum Hängestuhl

Wegtyp 2: Trittsteine im Rasen oder Mulch

Sehr naturgarten-tauglich, flexibel, sieht sofort ordentlich aus. Trittsteine sind die poetischste Form eines Gartenwegs.

Sie führen nicht geradeaus, sondern in kleinen Schritten. Besonders schön wirken sie durch Rasen, Sternmoos oder niedrige Stauden.

So wirken sie:
Spielerisch, leicht, neugierig machend. Man setzt den Fuß bewusster – und geht automatisch langsamer.

Schritt-für-Schritt (im Rasen)

  1. Schrittmaß festlegen
    Geh normal: Steine dort platzieren, wo dein Fuß landet (ca. 55–65 cm Abstand).

  2. Position markieren

  3. Stein einlassen
    Umriss abstechen, Grasnarbe raus, 3–5 cm ausheben.

  4. Bettung
    3–5 cm Splitt/Sand einfüllen, glattziehen.

  5. Stein einsetzen
    Oberkante bündig mit Rasen (damit der Mäher drüberkommt).

  6. Fugen
    mit Erde/Sand füllen, evtl. trittfeste Kräuter in Randbereiche.

Pflegeleicht-Hacks

  • Bündig einsetzen = mäherfreundlich

      Ideal für:
      Übergänge, Abkürzungen, ruhige Gartenbereiche.

      Natursteine ohne Unterbau führen hier unter dem Baum entlang
      Natursteine ohne Unterbau führen hier unter dem Baum entlang

      🧱 Wegtyp: Ziegelweg durch den Gemüsegarten (trocken verlegt)

      Warm, erdig, zeitlos – ideal, um auch bei Regen trockenen Fußes zu ernten

      Ein Ziegelweg im Gemüsegarten ist soo praktisch und atmosphärisch.
      Er riecht nach Erde, passt zu üppigem Grün und wird mit den Jahren nur schöner. Trocken verlegte Ziegel- oder Natursteinwege passen perfekt in Naturgärten.

      Sie altern schön, dürfen uneben sein und erzählen mit der Zeit ihre eigene Geschichte.

      So wirken sie:
      Warm, bodenständig, vertraut – besonders im Gemüsegarten.

      Schritt-für-Schritt: Ziegelweg im Gemüsegarten anlegen

      1️⃣ Verlauf festlegen

      Der Weg soll dort liegen, wo du wirklich gehst:

      • vom Haus ins Gemüse

      • zwischen Beeten

      • zu Wasserstelle oder Kompost

      👉 Lieber leicht geschwungen als streng gerade – das wirkt natürlicher.

      Empfohlene Breite:

      • 40–60 cm (bequem mit Gießkanne oder Erntekorb)

      2️⃣ Grasnarbe & Erde abtragen

      • Fläche markieren

      • ca. 15–20 cm tief ausheben

      • Erde beiseitelegen (kommt später im Garten wieder zum Einsatz)

      👉 Tiefe ist wichtig, damit der Weg später nicht absackt.

      3️⃣ Unterbau (Tragschicht)

      • 8–12 cm Schotter oder Mineralgemisch einfüllen

      • gut verdichten (Stampfer oder Füße, Schicht für Schicht)

      👉 Das ist die wichtigste Schicht für Stabilität – hier nicht sparen.

      4️⃣ Bettung vorbereiten

      • 3–5 cm Splitt (0/5 oder 0/8) auf den Unterbau

      • glatt abziehen, nicht verdichten

      👉 In diese Schicht werden die Ziegel gelegt.

      5️⃣ Ziegel verlegen

      • Ziegel trocken auflegen (ohne Mörtel!)

      • mit Gummihammer leicht einklopfen

      • regelmäßig mit Wasserwaage prüfen

      Verlegemuster (einfach & naturgartenfreundlich):

      • Reihenverband

      • Läuferverband

      • leicht versetzt, nicht millimetergenau

      👉 Kleine Unregelmäßigkeiten sind erlaubt und erwünscht.

      6️⃣ Fugen füllen

      • Fugen mit Sand, feinem Splitt oder Erde einschlämmen

      • ggf. mehrmals nachfüllen

      Optional:

      • niedrige, trittfeste Kräuter am Rand (z. B. Thymian)

      • Fugen dürfen auch "leben"

      7️⃣ Kanten sichern

      Damit der Weg nicht auseinanderläuft:

      • seitlich mit Erde andrücken

      • oder einfache Metallkante / Holzleiste

      • oder Beetpflanzen dicht heranwachsen lassen

      👉 Pflanzen sind oft die schönste Einfassung.

      🌿 Pflegeleicht-Hacks für Ziegelwege

      • Kein Hochdruckreiniger – der wäscht Fugen aus

      • 1–2× im Jahr Fugen nachfüllen reicht

      • Aufkommendes "Unkraut" früh ziehen (meist leicht lösbar)

      • Laub ruhig liegen lassen – es schützt die Fugen

      👉 Mit der Zeit wird der Weg stabiler, nicht pflegeintensiver.

        Pflege:
        Gelegentlich Unkraut in Fugen entfernen – mehr nicht.

        Kieswege im Klostergarten des grauen Klosters in Greifswald
        Kieswege im Klostergarten des grauen Klosters in Greifswald
        Sie führen nicht geradeaus, sondern in kleinen Schritten. Besonders schön wirken sie durch Rasen, Sternmoos oder niedrige Stauden.

        🌿 Kies- und Splittwege – klar, aber zurückhaltend

        Splittwege können im Naturgarten funktionieren, wenn sie sparsam eingesetzt und gut gebaut sind.

        Wichtig:

        • immer mit Unterbau

        • immer mit klaren Kanten

        • lieber Splitt als runden Kies (trittfester)

        So wirken sie:
        Ruhig, sachlich, besonders gut nahe am Haus.

        🚗 Begrünte Fahrwege im Naturgarten

        Schotterrasen & Rasenfugenpflaster

        Auch ein Naturgarten muss manchmal ein Auto tragen.
        Das bedeutet aber nicht, dass alles betoniert werden muss.

        🌱 Begrünter Fahrweg mit Schotterrasen

        • tragfähiger Schotter-Unterbau

        • humusarme Deckschicht

        • eingesät mit robusten Gräsern & Kräutern

        Vorteile:

        • wasserdurchlässig

        • heizt sich weniger auf

        • wirkt grün und ruhig

        👉 Ideal für wenig befahrene Zufahrten.

        🧱 Rasenfugenpflaster für stark belastete Bereiche

        Dort, wo regelmäßig gefahren oder gegangen wird:

        • Pflastersteine mit begrünten Fugen

        • stabil, langlebig

        • deutlich natürlicher als geschlossene Flächen

        👉 Perfekt für Einfahrten, Stellplätze und Hauszugänge.

        Hinweis:
        Begrünte Fahrwege sollten fachgerecht angelegt werden – hier lohnt sich oft ein Profi.

        🌧️ Drainage – wo sie besonders wichtig ist

        Achte besonders auf Drainage:

        • in Hausnähe

        • bei lehmigem Boden

        • in Senken

        • unter befahrbaren Wegen

        Grundregel:
        Wege brauchen ein leichtes Gefälle (1–2 %) vom Haus weg.

        🌼 Typische Fehler vermeiden

        • zu viele Wege → Unruhe

        • zu breite Wege → Fläche geht verloren

        • falsches Material → Pflegeaufwand steigt

        • fehlende Kanten → alles wandert

        👉 Ein klarer Weg ersetzt zehn Einfassungen.

        🌿 Wege als Erlebnis – nicht nur als Funktion

        Ein Weg, der zu einer Bank unter einem Baum führt.
        Trittsteine durch Sternmoos.
        Ein Ziegelweg durch den Gemüsegarten, auf dem es nach feuchter Erde riecht, während du trockenen Fußes Tomaten erntest.

        Gartenwege sind stille Erzähler.
        Sie führen durch Arbeit und Pause, durch Licht und Schatten – und oft genau dorthin, wo man bleiben möchte.

        🌱 Zum Schluss: Ein entlastender Gedanke

        Ein Gartenweg darf sich entwickeln.
        Er muss nicht von Anfang an perfekt sein.

        Gerade im Naturgarten sind Wege keine Bauwerke, sondern Begleiter.
        Und oft sind es genau diese Wege, die einen Garten erst wirklich begehbar – und erlebbar – machen.