Gemüse im Haus vorziehen

31.10.2023

Gartensehnsucht im Winter? Dann ist Gemüse vorziehen vielleicht etwas für dich!

Der Gemüsegarten kann in der dunkelsten Jahreszeit bei dir im Warmen seinen Anfang nehmen. 

Aus winzigen Samenkörnern werden kleine Pflanzen, die nach wenigen Tagen ihre Köpfe aus der Erde strecken und ihre Blätter entfalten. 

Jeden Tag siehst du die Fortschritte. Alte Sorten und Raritäten, die du nirgends kaufen kannst, wachsen unter deinen grünen Fingern heran. Was für ein Glücksgefühl!


Darum geht es in diesem Blogpost:

  1. Wie du Anzuchtserde selbst herstellst

  2. So stellst du Anzuchtstöpfchen aus altem Zeitungspapier her

  3. Optimale Bedingungen für die Keimung

  4. Umpflanzen

  5. Auspflanzen

  6. Pflanzenschutz im Freien

  7. Aussaatplan


Warnung: Gemüse im Haus kümmert sich nicht um sich selbst!

Aber hier ganz klar eine Warnung: Aussaat im Haus ist nichts für Menschen, die wenig Zeit haben! Die kleinen Pflänzchen kümmern sich überhaupt nicht um sich selbst!

Ich rate allen, die ganz entspannt gärtnern möchten, die Gemüsejungpflanzen bei einer Bio-Gärtnerei zu besorgen. Am besten dort deine Pflanzen im Januar oder Februar vorbestellen! 

Dann kannst du ganz relaxt im April mit der Bepflanzung starten. Die Erde ist bis dahin warm, die Tage sind lange genug, es regnet meist noch ausreichend. 

Dann gedeihen deine Samen auch, während du die Frühlingssonne auf der Hängeschaukel genießt.

Vorbestellen kannst du verschiedene Salatpflanzen, die unterschiedlichsten Kohlsorten, Lauch, Tomaten, Paprika, Chili, Zucchini, Gurken und sogar Physalis, Auberginen oder Artischocken.

Familien mit kleinen Kindern könnten ja eine Zucchino oder einen Kürbis in jeweils einem größeren Töpfchen ab März auf der Fensterbank vorziehen. Die sind einigermaßen pflegeleicht. 

Für Kinder ist es besonders spannend, wie aus diesem kleinen Samenkorn später riesige rankende Pflanzen mit vielen Früchten werden.

Lust auf Drama?

Aber wenn dir nach Weihnachten die Finger jucken, und die Gartensehnsucht immer größer wird, dann ist die Aussaat im Haus etwas für dich.

Idealerweise solltest du dir etwas Drama im Leben wünschen und eine große Frustrationstoleranz haben.

Nachdem die Schnecken alle Auberginenpflanzen am ersten Tag nach dem Auspflanzen gegessen haben, baue ich keine mehr an. Keiner in meiner Familie hat meine Wut verstanden! (Sie fanden das sogar ziemlich lustig!)

Bei mir ist das Schlafzimmer von Februar bis März ein Gewächshaus. Vor dem Fenster baue ich den Campingtisch auf. Darüber baumelt dann die Anzuchtlampe, die mit einer Zeitschaltuhr von neun bis 17 Uhr für gespenstisch rot-blaues Licht sorgt. Mein Ehemann findet es sieht aus, wie in Frankensteins Labor.

Also, wenn du es auch versuchen möchtest, hier ist die genaue Anleitung, mit der auch Nichtgärtner in ihrem Schlafzimmer alte Gemüsesorten zu neuem Leben erwecken können.

So gelingt die Gemüseanzucht in der Wohnung

Du brauchst:

  • Einen nicht zu warmen Raum (15-18 Grad)

  • Licht (großes Süd- oder Westfenster) oder

  • Eine Pflanzenanzuchtslampe, hängend

  • Eine Stellfläche für die Pflanzen (Fenstersims oder Campingtisch)

  • Töpfchen (Anzuchtschalen mit Untersetzer aus Plastik, die jedes Jahr wieder verwendet werden, oder selbst gefaltete Töpfchen aus Papier auf einem Teller)

  • Anzuchterde (Oder Sand, Kompost, Gartenerde um die Anzuchterde selbst herzustellen)

  • Eventuell: Wärmematte zur Pflanzenanzucht mit Thermostat

  • Holzstäbchnen zum Beschriften (Eis-am Stiel-Stiele)

  • Permanentmarker, dünn

  • Deckel für die Anzuchttöpfe (Minigewächshaus) oder

  • Ein großer durchsichtiger Müllbeutel oder ein gelber Sack

  • Wassersprühflasche (am besten aus Glas) oder kleine Gießkanne


1. Anzuchterde selbst herstellen und sterilisieren

Anzuchterde ist nährstoffarm und keimfrei und bietet unseren Samen die besten Voraussetzungen zu keimen. Du kannst sie kaufen oder selbst mischen.

Rezept Anzuchterde:

  • 1/3 Sand (zum Beispiel Spielsand aus dem Baumarkt)

  • 1/3 Kompost, gesiebt

  • 1/3 normale Gartenerde

Anfertigung:

Ich mische alle Teile draußen in der Schubkarre. Ich benutze einen mittelgroßen Blumentopf als "Messbecher". Ich fülle den Topf zunächst mit Sand, dann mit Kompost, dann mit Erde und schütte die Häufchen in die Schubkarre.

Dann mische ich alles gut durch und fülle die Mischung noch draußen in ein altes Backblech (Ihr könnt auch euer normales Blech oder eine Auflaufform verwenden. Es werden ja alle Keime durch die Hitze kaputt gemacht, danach einfach gut spülen).

Jetzt wird die Erdmischung im Backofen bei 120 ° für 45 Minuten gebacken. 

Kleine Warnung, das riecht meist komisch! Damit gehen alle Keime kaputt und auch Samen aus dem Kompost sind nicht mehr keimfähig.

Die Anzuchterde gut auskühlen lassen.


2. So bastelst du ganz schnell Papiertöpfchen für die Anzucht

Wer nur wenige Pflanzen vorziehen möchte, kann kleine Töpfchen aus Zeitungspapier und Bindebast herstellen.

Du benötigst:

  • Alte Zeitung (nur Schwarz-Weiß-Druck)

  • Eine Schere

  • Bindebast

  • Ein rundes Glas in Zylinderform, das heißt, es sollte sich nicht nach einer Seite kleiner werden

  • Oder eine gekaufte Papiertopfpresse (Ca 10 Euro)

So funktioniert es:

Das Zeitungspapier in 10 x 30 cm lange Bahnen schneiden und um das Glas (oder die Papiertopfpresse) wickeln, dass das Papier an der Glasunterseite ca. 2, 5 cm übersteht.

Als nächstes das überstehende Papier an der Glasunterseite von außen nach innen glattstreichen, und das Glas auf den Boden stellen und etwas hin und her drehen. Zum Schluss ein Bindebast um die Mitte des aufrechten Topfteils binden, für die Stabilität. Fertig!

  • Töpfe füllen und einsähen (nicht zu früh)

Jetzt können die Töpfchen mit der Anzuchtserde gefüllt werden. Ich mache das draußen im Garten, dann ist es egal, wenn Erde danebenfällt.

Als nächstes werden die Töpfchen gründlich gegossen. Noch im Garten darf alles überschüssige Wasser ablaufen, dann hole ich die Töpfchen ins Haus.


3. Optimale Bedingungen für die Keimung

Für die Keimung im Haus benötigt ihr ein Arbeitsfläche, die gut erreichbar ist. 

Bei mir ist es der Campingtisch. Fensterbretter und sonstige Möbel mit einer Wachstischdecke oder altem Zeitungspapier abdecken.

Fangt nicht zu früh an! Haltet euch an die empfohlene Aussaattermine auf den Samenpäckchen. Es tut den Pflanzen nicht gut, wenn sie zu lange im Haus auf den Frühling warten müssen.

Dann stellt ihr eure Töpfchen mit der angefeuchteten Erde auf und gebt die Samen genau nach Packungsanleitung in die Töpfe.

Lichtkeimer und Dunkelkeimer

Salat und Tomaten sind zum Beispiel Lichtkeimer, sie dürfen nicht in der Erde hineingesteckt werden, denn sie brauchen das Licht um zu Keimen. 

Beschriftet alle Töpfe mit Holzstäbchen (Eis-am-Stiel-Stiele eignen sich bestens) mit einem Permanentmarker. 

Eventuell die Töpfe noch einmal mit der Sprühflasche mit zimmerwarmem Wasser vorsichtig einsprühen. 

Die Samen brauchen Feuchtigkeit zum Keimen

Dann packst du deine feuchten Töpfchen mit den Samen in eine durchsichtige Plastiktüte und verschließt sie mit einem Gummi. Oder du setzt den durchsichtigen Deckel, deines Minigewächshauses auf.

Ich verwende die Plastiktütenmethode, weil die Feuchtigkeit sich darin offensichtlich noch besser hält. Die selbstgemachte Anzuchterde ist so steril, dass ich auch mit Schimmel kein Problem hatte.

Die Magie der Keimtemperatur

Die Keimtemperatur ist wichtig, wenn ihr optimale Ergebnisse haben wollt. 

Die richtige Keimtemperatur hat Auswirkung auf die Genexpression der Pflanzen. Wenn es schön warm ist bei der Keimung wachsen die Pflanzen später besser und bringen mehr Fruchtertrag. 

Kohl mag es nicht ganz so warm. Die optimale Keimtemperatur steht auf deinem Samenpäckchen. Die stellst du dann mit dem Thermostat genau ein. 

Die ersten fünf bis sieben Tage machst du einfach nichts, wenn du die Tütenmethode wählst. Nicht die Tüte aufmachen, nicht gießen, nicht von der Wärmematte runternehmen.

Die Pflanzen keimen auch im Papiertopf auf der Fensterbank. Das dauert nur vielleicht ein bisschen länger.

Die ersten Blätter: Für Licht und niedrigere Temperaturen sorgen

Wenn die Pflanzen ihre Keimblätter haben, holst du sie aus den Tüten raus. Jetzt mögen sie es etwas kälter. 15-18 ° wären gut. Also Heizung runterdrehen! 

Und die Pflanzen brauchen ausreichend Licht, damit sie nicht dünn und instabil in die länge schießen. Entweder du stellst die Töpfe an ein Südfenster und entfernst die Gardine. 

Oder du benützt eine Pflanzenlampe, die geeignet ist für die Pflanzenanzucht. Am besten funktioniert eine Lampe, die an einem kleinen Haken an der Decke befestigt wird.


4. Der erste Umzug: In größere Töpfe umsetzen

Wenn die kleinen Pflänzchen kräftige, eigene Blätter haben setze ich sie in größere Töpfe um. 

Ich verwende Plastiktöpfe mit 12 cm Durchmesser (in denen ich meine Stauden von der Biogärtnerei geschickt bekommen habe).

Nährstoffreichere Erde

Diese Töpfe fülle ich mit nährstoffreicherer Erde, nämlich zur Hälfte aus Kompost und zur Hälfte aus Gartenerde. 

Auch diesmal mache ich mir die Mühe, die Erdmischung im Backofen für 45 Minuten bei 120 Grad zu backen, damit da außer dem Gemüse nicht weitere Samen keimen.

Umpflanzen: Eine kleine Operation

Beim Umpflanzen werden die Pflanzen ganz vorsichtig aus den kleinen Töpfen geholt. Ich steche mit einem breiten Messer am Seitenrand des Topfes bis nach unten und hebe mit dem Messer die Erde mit der Wurzel an. Dann entnehme ich vorsichtig die Pflanze mit soviel Erde wie möglich am Wurzelballen.

Tiefer legen

In den größeren Topf habe ich mit den Fingern in der Mitte ein Pflanzloch eingestochen. Hier hinein setze ich die Jungpflanze. Sie soll etwas tiefer stehen als vorher. Die neue Erde darf bis zu dem ersten Keimblatt reichen. Erde vorsichtig andrücken und mit zimmerwarmen, abgestandenem Wasser gießen.

Optimale Wachstumsbedingungen und Abhärten

Die Jungpflanzen dürfen dann bei 15 bis 18 ° unter der Pflanzenlampe wachsen. Nach Bedarf gießen. Ich stelle die Töpfe gesammelt in Waschkörbe. An warmen Tagen dürfen die Pflanzen zum Abhärten in den Garten, damit sie sich an Wind und Wetter gewöhnen. Vielleicht an einem Wochenende für wenige Stunden starten! Anfangs in hausnähe, windarm und halbschattig aufstellen.


Auspflanzen: Ab in die Sonne

Wer mit Folien arbeitet, oder in einer wärmeren Region lebt kann die Gemüsepflanzen Mitte April ins Gemüsebeet setzen. Ganz sicher ist man, wenn die Pflanzen erst nach den Eisheiligen Mitte Mai ausgepflanzt werden.

Die Pflanzen sollten an einem bedeckten Tag mit ausreichend Abstand in ein Gemüsebeet mit guter Erde und viel Sonne gesetzt werden. 

Gemüse wächst ertragreicher, wenn der Boden immer ausreichend feucht gehalten wird. Eine Mulchschicht hilft den Boden feucht zu halten und dient gleichzeitig als Dünger. 

Pflanzen mit höherem nährstoffbedarf profitieren von einem Flüssigdünger. Zum Beispiel meinem Grüne-Daumen-Flüssigdünger, den du einfach selbst ansetzen kannst.


Pflanzenschutz mit Netz

Ich empfehle gleich nach dem Auspflanzen über das Kohlbeet und das Möhren-Zwiebelbeet ein Pflanzenschutznetz zu befestigen.

Wenn die Möhrenfliegen ihre braunen Gänge in das Wurzelgemüse graben, aus denen weiße Maden krabbeln, weigern sich meine Kinder absolut Möhren aus dem Garten zu essen. Ich mag die Gemüsefliegen auch nicht!

Und obwohl ich den Kohlweißling, einen blass-gelben, kleinen Schmetterling mag, ekle ich mich vor den gelb-schwarzen Raupen, die man absammeln müsste, um die Kohlpflanzen zu schützen.

Für mich hat sich deshalb ein zeltähnliches Schutznetz als am praktischsten erwiesen. Mein Pflanzenschutznetz ist ein Tunnel, das sich durch ein Pop-Up-System von alleine aufklappt, und sich durch Verdrehen platzsparend bis zum nächsten Jahr aufbewahren lässt. Es passt zu Beeten von 80 bis 150 cm Breite.


Aussaatplan zum Gemüse Vorziehen im Haus:

Januar: Aubergine, Artischocke, Chili, Physalis

Februar: Sellerie, Lauch, Paprika

März: Tomate, Kohlrabi, Brokkoli, Blumenkohl, Basilikum, Koriander

Ende März: Gurke, Zucchini, Kopfsalat, Kürbis

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